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Homosexuell, na und?

 

Der Mensch scheint ein Wesen zu sein, der Andersartigkeit mehr fürchtet, als alles andere auf dieser Welt. Eine bessere Erklärung habe ich bis heute nicht dafür gefunden, warum man Personen, die sich nicht in gesellschaftliche Normen oder stereotypen Rollenbildern stecken lassen, im besten Fall mit Misstrauen, im schlimmsten mit verbalen und körperlichen Angriffen und Grausamkeiten begegnet. Gegen den Strom zu schwimmen kann oftmals ein schmerzhafter und langwieriger Prozess für jene sein, die in keine menschengemachten Schubladen zu passen scheinen.


Homosexuelle Menschen erfahren auch in der heutigen Zeit sehr viel Ablehnung in der Öffentlichkeit. Von Diskriminierungen, Beschimpfungen und Gewalterfahrungen, können wohl viele ein leidvolles Klagelied anstimmen. Auch in meinem Leben habe ich dadurch die eine oder andere Narbe davongetragen, ohne mir je mein Anderssein absprechen zu lassen. Andere haben ihrem Leben tragischerweise 'freiwillig' ein Ende bereitet, um der permanenten Scham nicht mehr ausgesetzt zu sein.

 

Ich frage mich oftmals, ob es an der Unwissenheit und Borniertheit unserer Gesellschaft liegt, die es einfach nicht schafft, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, oder bereits unser Schulsystem an der nötigen Aufklärung versagt. Würden die kommenden Generationen schon im Biologieunterricht darüber erfahren, dass homosexuelle Neigungen bei mehr als 1.500 Tierarten nachgewiesen wurde, könnte diese Spielart der Liebe, möglicherweise irgendwann ins Reich der Normalität gerückt werden.


Nach meinem Wissen, werden händchenhaltende und küssende Frauen, noch eher von ihrem - vor allem männlichen - Umfeld geduldet, als dies bei Männern der Fall ist. Dies mag wohl auch dem Umstand geschuldet sein, dass gleichgeschlechtlich gesinnte Frauen, häufig heterosexuelle Phantasien bedienen. Auch wenn dies mitnichten ihren Zielen entspricht und nicht bedeutet soll, dass auch sie mit allerlei Vorurteilen zu kämpfen haben.

 

Warum ist es derart unmöglich, seinen Mitmenschen das gleiche Recht und dieselbe Freude am Ausleben ihrer ureigenen Sexualität zuzusprechen, wie es Heterosexuelle ganz selbstverständlich tun? Homosexualität ist weder eine heilbare Krankheit, ein biologischer Defekt, noch kann diese anerzogen werden. Ich spreche hier mit Sicherheit nicht nur für mich, sondern für viele andere gleich Orientierte da draußen wenn ich sage, dass man sich die eigene sexuelle Ausrichtung nicht aussuchen kann. Wir werden vielmehr damit geboren.

Wenn du nicht gerade zur erzreligiösen Gattung der Spezies gehörst, die felsenfest davon überzeugt ist, dass Homosexualität eine Sünde sei, die mindestens mit einer Freikarte in den Höllenschlund 'belohnt' werden sollte, hole dir ausreichende Informationen zu diesem Thema. Und versuche zumindest, einem gleichgeschlechtlich lebenden Mitmenschen mit etwas mehr Offenheit zu begegnen. Ich versichere dir, du wirst rein gar nichts Unnatürliches daran erkennen können. Wenn du es schaffst, deine in der Regel angelernten Vorurteile zu überwinden, wirst du am Ende mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede entdecken.

 

Wir sind Menschen mit Hoffnungen, Träume, Ziele, Sehnsüchte und allerlei Erfahrungen - so wie du selbst!