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Barbie & Ken

 

Schönheit und Jugend scheinen in unserer heutigen Gesellschaft zu den unangefochtenen Voraussetzungen eines erfolgreichen und glücklichen Lebens geworden zu sein. Und war es über eine lange Zeit hinweg vor allem die weibliche Bevölkerung, welche sich den Dogmen der Schönheit zu beugen hatte, greift der Schönheitswahn längst auch in der Männerwelt um sich. Es ist eine Milliardenindustrie entstanden, die ihre Konsumenten mit großartigen Verheißungen zum Kauf von Produkten und Dienstleistungen bewegen soll.

 

Von wirkungslosen Anti-Faltencremes über gesundheitsgefährdende Diät-Pillen, bis hin zu chirurgischen Eingriffen, um der Unvollkommenheit der Natur auf die Sprünge zu helfen. Die Medien gaukeln uns tagtäglich eine Welt mit makellosen Gesichtern und wohlgeformten Körpern vor und erwecken somit den Eindruck, dass Schönheit nicht nur die Norm, sondern das erstrebenswerteste Ideal der menschlichen Existenz überhaupt darstellt.

 

In Anbetracht dessen, dass ein Großteil der Erdenbürger nicht aus Adonisen und Laufsteggöttinnen besteht, ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass laufend propagierte Schönheitsideale bei uns Normalsterblichen, ein permanentes Gefühl der Unzulänglichkeit und Fehlerhaftigkeit schürt. Wir entwickeln eine Grundunzufriedenheit die uns dazu treiben soll, Unmengen an Geld für allerlei Kosmetikprodukte und kostspielige Operationen in den gierigen Rachen der Schönheitsindustrie zu werfen. Und solange wir uns von den Medien und der Gesellschaft einreden lassen, dass mit unseren Körpern etwas nicht in Ordnung ist, werden wir alles dafür tun, um in den Olymp der vermeintlichen Vollkommenheit zu gelangen.

 

All die Insta-Sternchen und Influencer-Promis da draußen, sind längst auf diesen Zug aufgesprungen und verkaufen ihren Millionen Anhängern seit Jahren mehr als fragwürdige Werte. Als sei es das Wichtigste im Leben eines jeden Einzelnen, möglichst gut auszusehen. Ja, als sei es das Einzige, was es tatsächlich zu erreichen gilt. Schönheit ist zu einem Leitstern für viele geworden und ihre hohen, meist unerfüllbaren Anforderungen, haben längst globale Ausmaße angenommen. Und ein Ende dieses Irrsinns, scheint in ferner Weite zu liegen. Ich frage mich, welche Art von Mensch hierdurch herangezüchtet wird. Oberflächliche, geistlose Hüllen, welche sich nur noch um sich selbst drehen? Von Minderwertigkeitsgefühlen geplagte Individuen, die denken, schön zu sein sei alles was sie in ihrem Leben erreichen können?

 

Für mich ein mehr als erschreckendes Zukunftsbild. Eine Aussicht, der jedoch zugleich ein Gegenentwurf innewohnt. Dieser lautet: Selbstakzeptanz. Wir alle tragen die Kraft in uns, uns so anzunehmen wir wir sind. Mit all unseren vermeintlichen oder tatsächlichen Mängeln. Natürlich ist dieser Weg weder einfach, noch gibt es irgendwelche Abkürzungen dorthin. Schließlich haben wir uns über eine lange Zeit hinweg einreden lassen, dass es ganz und gar nicht in Ordnung ist, so wie wir eben nun mal sind. Es sogar ein Zeichen der Schwäche darstellt, nicht ständig an der Perfektionierung unseres äußeren Ichs zu arbeiten. Und wir haben dieses negative Selbstbild über viele Jahre hinweg bereitwillig genährt.

 

Selbstakzeptanz birgt jedoch unglaubliche Freiheit für uns. So öffnet sie unseren Blick für unsere Vorzüge und Stärken, anstelle bei unseren Makeln haften zu bleiben. Sie hilft uns zu erkennen, dass wir weitaus mehr sind, als ein hübsches Gesicht oder ein perfekter Körper. Und sie unterstützt uns dabei, wieder aus dem Vollen in uns zu schöpfen, anstatt an der Oberfläche unserer Existenz festzuhängen. Vergessen wir nicht, dass Schönheit wohl eines der vergänglichsten menschlichen Attribute ist. Da wir alle früher oder später älter werden frage ich mich: was bleibt am Ende, wenn wir nur gelernt haben hübsch zu sein?

 

Um es mit den Worten von Taryn Brumfitt, der Regisseurin des im Jahr 2016 erschienen Dokumentarfilms 'Embrace - du bist schön' zu sagen: "Unser Körper ist ein Instrument und kein Schmuckstück". Lernen wir dieses Instrument zu schätzen und zu lieben, für all die Möglichkeiten die es uns eröffnet. Denn bei näherer Betrachtung entdecken wir darin ein wahres Meisterwerk der Natur.