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Tritt ein, ins Wunderland!

 

Die Esoterik erfreut sich bei ihrer breitgefächerten Anhängerschaft nicht nur seit vielen Jahren großer Beliebtheit, sondern ist gleichzeitig auch ein milliardenschweres Geschäft. Ein Geschäft mit den Hoffnungen, Sehnsüchten, aber auch Ängsten der Menschen. In meiner Zeit des Suchens, welche mich lange in dieser Märchenwelt für Erwachsene herumtreiben ließ, bin ich in so manche surrealen und phantastischen Welten gestolpert. Von Heilsteinen, Lebensratgeber, über Engelsprays, Botschaften aus der Geisterwelt und Ritualen zur Partnersuche, bis hin zu Hexen, Schamanen und Wunderheilern, werden der menschlichen Vorstellungskraft hier absolut keine Grenzen gesetzt.

 

Auch alternative Heilmethoden wie die Homöopathie, haben längst ihren Einzug in herkömmliche Behandlungsmethoden gehalten. Am Beispiel der Homöopathie, in deren pflanzliche oder tierische Ausgangsmittel im Herstellungsprozess derart verdünnt werden, bis man den Wirkstoff kaum oder überhaupt nicht mehr nachweisen kann, erkennen wir, dass es in diesen Bereichen vielmehr um Glauben geht, als einer tatsächlichen Wirkung. Am Ende ist es der Placeboeffekt selbst, somit die feste Überzeugung an ein bestimmtes Resultat, welcher entsprechende Prozesse in unserem Gehirn in Gang setzt, die unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit fördern.

 

Meinen Erfahrungen nach, beruht die gesamte Esoterik auf diesem Mechanismus. Erweist sich jedoch der Gang zum Heiler des Vertrauens, oder die Einnahme homöopathischer Mittel als vollkommen wirkungslos, wird das Versagen in der Regel dem Kunden selbst zugeschrieben und nicht etwa der angebotenen Leistung. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass derartig unqualifizierte Aussagen nicht nur dazu führen, dass der Hilfesuchende genauso ratlos ist wie zuvor, nun plagen ihn auch noch starke Gefühle des eigenen Versagens. Er steht mit seinen Problemen wieder alleine da.

 

Nun mögen sich einige von euch denken, dass es doch keine Rolle spielt, auf welche Art und Weise positive Veränderungen in unser Leben treten. Hauptsache sie tun es. Ich kann dieser Haltung nur bedingt zustimmen. Denn der Versuch, einer körperlichen oder psychischen Erkrankung ausschließlich mit esoterischen Methoden entgegenzutreten, kann manche Symptome nicht nur fortbestehen lassen, sondern diese ohne fachärztlicher Betreuung sogar deutlich verschlimmern. Bei ernsten Leiden ist es daher umso wichtiger, sich an professionelle Anlaufstellen zu wenden und nicht nur auf Zuckerkügelchen oder selbsternannte Heiler zu verlassen.

 

Auch wenn mein persönlicher Lebensweg dazu geführt hat, dass ich die Esoterik heute mit gänzlich anderen Augen betrachte und verstehe, geht es mir nicht darum, andere zu bekehren. Denn wenn jemand an übernatürliche Dinge glauben möchte, weil er darin Trost und Halt findet, dann soll er das bitte auch tun. Solange er sich aufgrund des eigenen Weltbildes nicht plötzlich zum penetranten Missionar berufen fühlt, oder seiner Mitwelt aus irrationalen Überzeugungen heraus Schaden zufügt, liegt es in der Freiheit jedes Menschen, Anschauungen selbst wählen zu dürfen.

 

Meine Ausflüge in die märchenhafte Welt der Esoterik haben mich vor allem eines gelehrt: es ist in den meisten Lebenssituationen äußerst wichtig, seinen gesunden Menschenverstand nicht an der nächsten Türe abzugeben. Und wenn die wohlklingenden Verheißungen dahinter auch noch so verlockend erscheinen.